Jetzt blühen die Magnolien, ja jetzt verblühen sie schon beinahe wieder, aber noch habe ich Zeit einige Male unter diesem Blütentraum zu gehen, mein Lieblingsbaum. Es ist wirklich warm geworden und ich beschloss zu Fuss zu gehen. Einige verwelkte Blütenblätter lagen auf dem Trottoir - aber wie schön er sich ausbreitete, dieser Blütenbaldachin! Ich dachte, dass ich auf dem Weg dahin vielleicht noch andere Magnolien entdecke und überhaupt: Dort blüht ein Apfelbaum, hier duftet der Schneeball und zartgrünes Laub spriesst überall. Gibt es eine bessere Vorbereitung zum erotischen Genuss als ein Spaziergang durch die Frühlingslandschaft?
Ich wollte jenes sanfte, zarte und anschmiegsame Mädchen besuchen, welches mich vor rund drei Wochen so wunderbar beglückte. Sie war heute in meinem Bordell anwesend, aber nicht nur sie: Auch Anna soll gemäss der vom Bordell im Web veröffentlichten Liste dort sein. Anna ist eine wunderschöne Frau und wenn ich trotzdem L. den Vorzug gab, dann lag das eben an dieser Anschmiegsamkeit, die ich bei Anna in den vergangenen Besuchen vermisste. Trotzdem hoffte ich ihr nicht zu begegnen, so dass sie gar nicht erfahren würde, dass ich die Dienste einer anderen in Anspruch nahm.

Mein Spaziergang führte mich durch die Gewerbezone der Stadt, durch lärmige Strasse, über Bahnanlagen, am stinkenden Schlachthof vorbei und dort war das neue Stadion, wo in ein paar Wochen Spiele der Fussball-Europameisterschaft stattfinden werden. Dann, erst als ich in der Nähe des Bordells war, rief ich dort an. Das mache ich immer so, ich wollte keine Termine langfristigen Termine im Bordell. Zudem verläuft der Anruf nicht so, wie wenn ich ein Taxi rufen würde, was nicht nur daran liegt, dass eine Taxifahrt meistens billiger ist. Ich bin vor dem Anruf ziemlich aufgeregt, überlege mir zwanzigmal ob ich es wirklich tun soll, ob heute wirklich der richtige Tag ist oder ob ich nicht besser ein Spaziergang im Wald machen oder mit der Bahn auf den Uetliberg fahren soll oder so etwas. Mein Herz klopft wild, ich bin wie elektrisiert. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich zu diesem Zeitpunkt umgekehrt bin. Ich befragte meinen Körper - willst du es wirklich - und dann sagte meine Körper ja. Ich sass auf einer Bank an der warmen Sonne und meine Gedanken schweiften ab. Ich erinnerte mich an ihre warme, weiche Haut, an die Spitze ihrer Brüste, an ihren festen, runden Po und an ihre zarte Zunge die hingebungsvoll um meinen Allerwertesten verwöhnt. Ich wählte die Nummer.
Ich hatte Glück, L war frei und einige Minuten später klingelte ich an der Tür. Sie wurde durch eine Empfangsdame geöffnet, die neu hier war. Du hast vorhin angerufen, stimmt das, fragte sie mich doch noch ehe ich antworten konnte rief eine helle, glasklare Stimme:” He, Hallo!”. Dort stand Anna, lachte und winkte mir zu. Ich grüsste sie und liess mich von der Empfangsdame in ein freies Zimmer führen. Einige Minuten später kam L. Sie brachte mir einen Plastikbecher mit Wasser, ein Tuch und bat mich um das Geld. Dann führte sie mich zur Dusche. Ich begab mich in die Duschwanne, zog den Vorhang zu, als sich plötzlich die Tür öffnete. “Sorry, ich muss nur schnell etwas holen.” Es war Annas Stimme aber noch ehe ich mich entscheiden konnte, ob ich den Vorhang öffnen soll um sie zu sehen, war sie auch schon wieder weg. Als ich mich darauf von L. in das Zimmer führen liess, begegnete ich Anna abermals im Korridor. Sie stand vor einem Schrank, bloss mit einem Slip bekleidet und ich betrachtete sie von hinten, betrachtete ihr sehr helle Haut, ihre zarten Rundungen, den zierlichen Hals und das tief schwarze, kunstvoll geflochtene Haar. Sie gefiel mir. Dann ging ich an ihr vorüber.
Die halbe Stunde die ich mit L. verbrachte war schön. Sie ist wirklich wie ein Kätzchen, sie ist weich, sanft und einfühlsam. Und als ich sie endlich nahm, presste sie ihre Scheide so zusammen, dass sich der Reiz für mich beträchtlich erhöhte, so sehr, dass ich einen Augenblick fürchtete das Kondom sei geplatzt. Das war neu, das hatte sie noch nie gemacht und es war doch durchaus nicht mein erster Besuch bei ihr. Als ob sie mich vollends davon überzeugen wollte, dass meine Entscheidung richtig war, als ob sei ahnte, das ich für Augenblicke an die Schöne dachte, die jetzt vielleicht enttäuscht oder beleidigt war.
Ich fühlte mich sehr ruhig und sehr entspannt als ich das Bordell verliess und ich wanderte gemächlich nach Hause. Und doch war da ein Stachel, der mich störte. Vielleicht ist ihr das völlig gleichgültig, aber ich dachte dennoch, dass Anna verletzt und beleidigt sei. Wie dumm von mir! Aber es war nichts zu machen. Ja, ich nahm mir vor Anna bald zu besuchen und sei es bloss um mich zu vergewissern, ob sie im beruflichen Umfeld keine Eifersucht kennt.